Als Hochzeitsfotograf verbringe ich meist den ganzen Tag mit meinen Brautpaaren. Und im Laufe der Zeit habe ich viele Dinge gesehen, die besser hätten vermieden werden sollen. Hier also für angehende Brautpaare die ultimative Anleitung, damit ihr schöne Hochzeitsfotos erhaltet. Nehmt euch einen Kaffee oder einen Tee, lehnt euch zurück und lest diesen Artikel aufmerksam.

Getting Ready

Fangen wir mit dem Getting-Ready an, schließlich ist es der erste Meilenstein der fotografischen Reise am Hochzeitstag.

Licht

Nicht nur jede Visagistin kann euch bestätigen, dass sie Tageslicht braucht, um vernünftig zu arbeiten, sondern auch jeder Hochzeitsfotograf bevorzugt Tageslicht – selbst wenn er sich Licht mit Blitzen notfalls selbst schaffen kann.

Deswegen ist es für die Auswahl der Räumlichkeiten, in denen das Getting Ready stattfinden soll, von immenser Bedeutung, wie hell es dort ist und auch, wo der Schminktisch steht. Für mich als Hochzeitsfotograf ist es ideal, wenn das Schminken in der Nähe eines Fensters stattfindet, der Schminktisch also günstig steht.

„Günstig“ heißt in diesem Fall, dass er nicht direkt vor dem Fenster steht, sondern so, dass ich mit dem Einfall des Lichts fotografieren kann (und nicht dauernd ins Gegenlicht fotografiere), ich also zwischen Fenster und Schminktisch ausreichend Platz habe, mich zu bewegen.

Aufgeräumte & schön dekorierte Umgebung

Beim Getting-Ready entstehen oftmals sehr künstlerische Fotos. Dabei sollte bedacht werden, dass auch der Hintergrund einiges zur Schönheit des Ergebnisses beiträgt. Das ist sicher nicht der Fall, wenn Kleidungsstücke oder Schuhe achtlos irgendwo rumfliegen, das Bett, so denn eines im Raum ist, zerwühlt und Reste irgendwelcher Verpackungen quer über den Boden verteilt sind.

Sorgt also ggf. dafür, dass der Raum vor Ankunft des Fotografens in Ordnung ist und wenn ihr mögt, dekoriert ihn ein wenig. Kerzen, hier und da ein paar LED-Lichterketten o.ä. können Wunder bewirken. Das gilt vor allem dann, wenn der Raum sehr dunkel ist, im schlimmsten Fall nicht einmal ein Fenster hat. Solche Räumlichkeiten sollten im Vorfeld besser aussortiert werden.

Highlighting

Im Moment ist „Highlighting“ en vogue. Dabei werden ganz bewusst „Lichtflecken“ geschminkt, um das Gesicht dreidimensionaler und strahlender wirken zu lassen. Was in natura vielleicht ganz gut aussieht (und auch nur dann, wenn die Visagistin weiß, was sie tut), sieht auf Bildern eher „speckig“ aus. Überlegt euch also, ob ihr auf allen euren Fotos so aussehen möchtet, als würdet ihr – im wahrsten Sinne des Wortes – stellenweise schwitzen. Eine gute Visagistin weiß, wie man so schminkt, dass es in natura UND auf Fotos gut aussieht. Redet mit ihr darüber.

Das solltet ihr übrigens auch bedenken, wenn ihr euch selbst schminkt. Hier gilt: besser wenig, als zu viel. „Zu viel“ sieht auf Fotos nämlich genau so aus und damit sehr schnell unnatürlich. Bisweilen wirkt schlechtes Make-up sogar „bröckelig“.

Und wenn ihr denkt, dass man das ja alles hinterher in Photoshop korrigieren kann, dann habt ihr sicher Recht. Allerdings wird kein Fotograf die zwischen 400 und 700 entstandenen Fotos einer komplexen Retusche unterziehen, ohne sich diesen Aufwand bezahlen zu lassen. Und das ist ein enormer Aufwand und daher sehr, sehr teuer. Eine derart aufwändige Retusche wird nur für die Anzahl der vertraglich vereinbarten Retusche-Fotos gemacht. Also in der Regel zwischen 10 und 30 Fotos – je nach gebuchtem Paket.

Keine Sorge: Das heißt natürlich im Umkehrschluss keinesfalls, dass die restlichen Fotos unbearbeitet bleiben. Ausnahmslos alle Fotos werden bearbeitet. Aber zwischen einer normalen Bearbeitung und aufwändiger Retusche muss unterschieden werden. Und speckig wirkende Flecken, Sonnenbrände, fliegende Haare, Pickel, Hautrötungen und dergleichen mehr, gehören in die Kategorie „aufwändige Retusche“.

Zu viele Zaungäste

Beim Getting-Ready solltet ihr die Zahl der Beobachter begrenzen. Wenn ihr nicht gerade die 100 qm große Präsidentensuite eines Hotels gebucht habe, dann sind die meisten Räumlichkeiten nicht dafür ausgelegt, zu viele Leute zu beherbergen.

Das Problem: Wenn der Hochzeitsfotograf nicht die Bewegungsfreiheit hat, die er braucht, ihm überdies dauernd das Licht genommen wird, weil zu viele Leute um ihn herumstehen, wird das Projekt „schöne Fotos“ scheitern bzw. massiv erschwert. Es sind neben der Braut meist mindestens fünf weitere Personen zugegen: Brautmutter, Visagist(in), Friseur(in), Trauzeugin und Fotograf(in). Wenn der Fotograf(in) noch eine Assistentin oder einen Assistenten mitbringt, sind wir bei sechs, mit Braut insgesamt also sieben Personen.

Das Aus- und Anziehen

Irgendwann kommt der Moment, wo ihr das Hochzeitskleid anzieht. Wenn ihr einen männlichen Hochzeitsfotografen engagiert und euch seine Anwesenheit in diesem doch sehr intimen Moment unangenehm ist, dann bittet ihn, sich entweder umzudrehen oder aber vor die Tür zu gehen.

Wichtig: Solltet ihr Letzteres wünschen, so vergesst nicht, ihn wieder hineinzurufen – noch bevor die Knöpfe oder Reißverschlüsse des Kleides geschlossen werden!

Ich bespreche das übrigens im Vorfeld mit „meinen Bräuten“. Falls sie sich unsicher sind, was sie tun sollen, sage ich ihnen, dass ich niemals mehr fotografiere, als am Strand im Bikini zu sehen wäre. Aber selbst dann wird keines dieser Fotos veröffentlicht bzw. in der Online-Galerie für die Gäste auftauchen. Diese Fotos sind nur für die Augen der Braut und ggf. für die des Bräutigams bestimmt.

Ich schütze meine Kunden sogar dergestalt vor sich selbst, als dass ich derartige Fotos in einen extra Ordner auf dem USB-Stick speichere, um so zu verhindern, dass sie diese Bilder versehentlich mit allen anderen auswählen und in einem Rutsch auf Facebook & Co. hochladen.